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Focusing

„Focusing ist eine Zeit, in der ich bei etwas bleibe, was ich in meinem Körper spüre, ohne schon zu wissen, was es ist.“

Eugene Gendlin
(zit. nach Peter Lincoln, Wie der Glaube zum Körper findet, S. 18)

Mit der Definition von Gendlin selbst, dem Begründer von Focusing, möchten wir Focusing vorstellen. Focusing ist eine körperorientierte Methode der Beratung und Selbsterforschung. Die wichtigen Elemente:

  • Die Zeit, bei etwas zu bleiben: Im Focusing nehme ich mir Zeit, um achtsam und behutsam bei einem körperlichen Empfinden zu bleiben. Ich spüre in mich hinein, lenke die Aufmerksamkeit auf meine Körpermitte, warte geduldig ab. Der Felt Sense, ein implizites Körpergefühl, kann wie ein scheues Reh sein, das sich erst ganz langsam herauswagt, das genug Schutz und Zutrauen braucht, um sich zu zeigen. Oder er ist unmittelbar da, sobald ich in einer Situation bin oder an eine Begebenheit oder Person denke. Ich bleibe also bei dem,
  • was ich in meinem Körper spüre: Im Focusing gehe ich ganz ahnungslos und ergebnisoffen an das heran, was ich in mir spüre. Es geschieht etwas auf einer körperlichen Ebene, aber es geht nicht um messbare Körperbewegungen, die „nachgewiesen“ werden können. Sondern um die manchmal zarten, manchmal heftigen Körperempfindungen, die sich einstellen, wenn ich mit einem Thema beschäftigt bin, wenn ich vor einer Entscheidung stehe, wenn ich eine beglückende Situation in Erinnerung rufe, wenn ich einen Menschen vor Augen habe … (die Liste ließe sich unendlich fortsetzen, da in mir zu allem einen Felt Sense entsteht oder ich ihn entstehen lassen kann). Noch ungeübt bedarf es vielleicht einer Anleitung und Ermutigung bei dem zu bleiben, was sich körperlich zeigt,
  • ohne schon zu wissen, was es ist: Der Felt Sense entsteht – oder ist da – auf der körperlichen Ebene. Der Verstand bleibt neugierig und mit einer offenen Haltung dabei, bietet nicht von sich aus schnelle Deutungen an: Ach, das kenne ich schon, ich bin gerade (müde, unsicher, ängstlich…). Sondern der Verstand wartet auch annehmend, neugierig mit einer offenen Ahnungslosigkeit ab, um das ganz Neue oder Andere wahrzunehmen, das der Felt Sense im Körper offenbaren möchte. Geht es nicht etwas genauer? Das „Genauern“ ist dann ein nächster Schritt: Der Verstand bietet Deutungen an und gibt sie an den Körper zurück. Dieses Hin und Her kann eine Weile dauern, bis der Körper signalisiert, dass die Deutung passt. Diese Haltung des „Nicht-Wissens“ ist eine Voraussetzung, um sich immer wieder neugierig und offen auf die Signale des Körpers einzulassen und „frische“ Antworten zu erfahren.

 

Hier finden Sie weiterführende Literaturhinweise und hier weitere Informationen zu Focusing.

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