Wenn ich manche Diskussionen und Auseinandersetzungen verfolge, erschreckt es mich, auf welches Niveau die Kommunikation mit und über Menschen im privaten und öffentlichen Bereich oft sinkt.
Mir kommt dann gelegentlich der Satz aus Martin Luthers Erklärung zum 8. Gebot in den Sinn, in dem er das Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“ unter Anderem mit diesem Satz erklärt:
Du sollst Guten vom Andern reden und „alles zum Besten kehren“. Im Umkehrschluss heißt das ja: Nicht „alles zum Besten kehren“ ist schon ein „falsches Zeugnis“ über einen anderen Menschen. Ein schönes Beispiel wie das gehen kann, „alles zum Besten zu kehren“ fand ich im Buch „Mein Herz so weiß“ von Javier Maria: Der Protagonist Juan ist Dolmetscher bei einem Gespräch zwischen dem spanischen König und der englischen Premierministerin. Als das Gespräch stockt, übersetzt Juan indem er Worten einen positiveren Klang gibt. Das hilft und rettet das Gespräch.
Was braucht es dafür? Ich denke es ist mehr als eine Methode oder ein Trick, sondern es braucht einen eigenen Freiraum und eine akzeptierende Haltung, die dem Gegenüber wohlwollend begegnet und vertrauensvoll das Beste erwartet.
Im Focusing üben wir diese Haltung der radikalen Akzeptanz ein. Beschränken wir sie auf den Bereich des Focusierens oder könnte sie sich in Gesprächen mit Andersdenkenden als alltagstauglich erweisen?
Es könnte helfen, den Blick aufeinander zu verändern und die Kommunikation zu verbessern indem wir von Abwertungen und Verurteilungen wegkommen.
