Manchmal finden sich geistliche Impulse, wo man sie nicht erwartet.
Bei mir war es ein kleines Gedicht von Berthold Brecht.
Dessen erste Strophe geht so:
In die Leere gehen
Geh ich zeitig in die Leere
Komm ich aus der Leere voll.
Wenn ich mit dem Nichts verkehre
Weiß ich wieder, was ich soll.
Wir fürchten sie oft die Leere, möchten sie vermeiden, wenn sie uns überfällt…
…als Langeweile im Alltag
…im Gefühl der inneren Leere
…wenn eine Beziehung leer geworden ist
…wenn im Gespräch das Schweigen die Ratlosigkeit anzeigt
All das sind unangenehme Erfahrungen. Und doch, sagt Brecht in seinem Gedicht, liegt in ihnen auch eine Verheißung:
„Geh ich zeitig in die Leere
Komm ich aus der Leere voll.“
Wenn das womit ich meine Zeit ausfülle, mir keinen Sinn mehr vermittelt, wenn Themen in meinem Leben sich überlebt haben und selber inhaltsleer geworden sind, dann kann es gut sein, „zeitig in die Leere“ zu gehen, loszulassen, sein zu lassen, „mit dem Nichts zu verkehren“.
Denn die Leere bietet auch (Frei-)Raum, in dem unser Denken und Fühlen sich ausbreiten und neu orientieren kann, sich lösen kann von eingefahrenen Bahnen und starren Konzepten.
Ist nicht das Urdatum des christlichen Glaubens das leere Ostergrab? Keine Heldengeschichte, an der wir uns aufrichten könnten, keine Beweise, auf die sich der Glaube gründen könnte, sondern den ersten Zeugen der Auferstehung wird das leere Grab zugemutet. In der Begegnung mit dem leeren Grab wächst das Neue, geschieht Auferstehung.
