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Berührt vom Segen Gottes

Segnen kommt vom Lateinischen „benedicere“ und meint Gutes sagen. Oder etwas „schön sagen“. Segen erwartet eine Veränderung zum Guten hin. Und doch wird auch mit dem Segen nicht alles automatisch gut. Wir verfügen nicht über den Segen, sondern er wird von Gott geschenkt. Fulbert Steffensky hat es so ausgedrückt: Geben, was wir nicht haben.

An einem Samstag im Juni 2022 trafen wir uns zum 4. HaMakom-Forum im wunderschönen Gemeindehaus der Evang. Martinskirche in Hannover-Linden. Ein kleiner Kreis von Teilnehmenden hat sich intensiv zur Verbindung von Segen und Focusing ausgetauscht. Wir haben Erfahrungen miteinander geteilt. Fragen gestellt und wie immer auch praktisch erprobt, wie sich diese Verbindung verwirklichen kann. In einem Körpergebet haben wir den Segen über unseren gesamten Körper ausgesprochen, dann von uns in die Natur und in die Welt hinaus geschickt.

Im Focusing erleben wir, dass sich körperlich etwas zu einem Thema zeigt. Wenn wir jemanden begleiten, dann geben wir nichts hinzu außer unserer Gegenwart, die zusammen dann die Situation bilden, die immer schon in Wechselwirkung ist. Es gibt Situationen im Leben, in denen wir merken: Hier braucht es etwas, das von Außen dazu kommt. Oder jemand bittet in einem Gespräch, in der geistlichen Begleitung oder in der Seelsorge um einen Segen. Wie können wir diesen Segen aussprechen? Was ist angemessen und passend? Hier kommen Focusing und Segnen zueinander: Im Focusing kann ich in mir die „bedürftige Stelle“ aufsuchen. Wenn ich im Focusing-Prozess bin, kann ich warten, bis sich aus dem vagen, impliziten Körperempfinden etwas zeigt, was ich in Worte fassen kann. Vielleicht ist es auch eine Körperstelle, die etwas braucht – eine Berührung.

Spielerisch und tastend haben wir diese Verbindung gemeinsam ausprobiert: Eine Person hat im Focusing-Prozess in den Körper hinein gefragt, wo es eine bedürftige Stelle gibt. Die Begleitperson hat zugehört und so gemeinsam dem Bedürftigen Raum gegeben. Nun hat die Begleitung aus der Resonanz heraus eine Berührung angeboten, z.B. die Hand an eine Stelle gelegt, die etwas braucht, die Schulter, der Arm, der Nacken. Und die focussierende Person hat „genauert“, die Berührung so verfeinert, bis es passte. „Ah, da ist es genau richtig!“ Dazu kam noch Segenswort aus der inneren Resonanz der Begleitung. Das kann ein frei gesprochener Segen sein mit den Worten, die im Focusingprozess gefunden wurden. Oder ein vorformulierter Segensvers oder ein  liturgischer Segen. Gott wird eingeladen, Segen zu schenken. Unverfügbar und doch durch uns hindurch, göttlich und menschlich verwoben. Und dann sind wir eingeladen, nachzuspüren, zu verweilen, es sich ausbreiten lassen. Dabei verwischt die Grenze zwischen Segnendem und Gesegneter. 

Wenn segnen „schön reden“ heißt, dann meint das, Gott mehr in uns, als äußerlich sichtbar ist, in seinen Augen sind wir „schön“. Durch seinen Segen werden wir angesehen. Segen bedeutet daher auch: Ansehen schenken. Besonders deutlich wird das in dem Aaronitischen Segen aus der hebräischen Bibel:

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden.
4. Mose 6,24

Gott wendet sich uns freundlich zu, sein Angesicht strahlt auf uns und schenkt uns Gnade und Frieden. Gott möchte Gutes für uns und beim Segnen stellen wir uns zur Verfügung, um es weiter zu geben oder durch uns durch fließen zu lassen. Wir können dieses Gute von Gott beim Segnen aussprechen und es Gott überlassen, wie und was er schenkt. Und in der Geste der Berührung wird es spürbar und erlebbar bis in den Körper hinein.

Wir wurden beim HaMakom-Forum in Hannover reich beschenkt und gesegnet!

 

Foto: Christiane Henkel

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