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Kann das Wort Fleisch werden?

Ich saß in der alten stillen Kirche des Klosters Bursfelde während des Morgengebets. Die Pfarrerin trat ans Ambo. Sie las den Bibeltext für diesen Tag der Schweigewoche. Sie sprach den Text in einzelnen Worten und in Sinneinheiten. Sie sprach langsam und mit Pausen von etwa zwei Atemzüge.

Ich schloss die Augen, denn die einzeln klingenden Worte hatten eine starke Kraft. In ihrer Präsenz kamen sie mir ganz nah. Ich fühlte mich direkt angesprochen, wo ich sonst eher hinhöre. Die Pausen öffneten Räume für das Wahrnehmen von Bildern, Erinnerungen, Gefühlen, Farben. Ich kannte diesen Text doch schon! Doch auf diese Weise gelesen, berührte er mich tiefer und direkter. Da war mehr als Bilder, Gefühle und Farben. Das begleitete mich durch den ganzen Tag.

Mit Focusing kann ich in der Aufmerksamkeit bleiben für das Unbekannte, Undeutliche, das gerade eben in mir etwas in Bewegung gesetzt hat. Ich achte dabei auf körperliche Resonanzen. Wo und wie ist etwas spürbar? Entsteht ein felt sense zu einem Wort, zu dem „Ganzen“ eines Wortes oder des Textes? Was geschieht, wenn ich dabei bleibe und warte? Was teilt sich mit? Kann das Wort Fleisch werden?

Du — bereitest vor mir — einen Tisch —

im Angesicht — meiner Feinde —

Du — salbst mein Haupt — mit Öl —

und schenkst mir  — voll ein — .

Gutes — und Barmherzigkeit. — werden mir folgen — ein Leben lang — ,

und ich — werde bleiben — im Hause des Herrn —  immerdar.

Ps 23,5b-6

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