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Autor: Christiane Henkel

Angefasst

Es ging um Leben und Tod. Und jetzt sollte der Tod nicht mehr das Ende sein? Unglaublich! Nein, einfach unmöglich. Völlig gegen alle Vernunft. Was ich nicht mit eigenen Augen gesehen und mit meinen Ohren gehört habe – das gibt es nicht. Thomas hörte nicht auf das, was ihm aus zweiter Hand zugetragen wurde.

Er hatte noch den Klang der Hammerschläge im Ohr. Nein, er hatte sich nicht getraut, näher heranzugehen. An das Kreuz, auf den Hügel der Schande. Der Aufmarsch der Soldaten in der Nacht im Garten steckte ihm noch in den Knochen. Zerplatzt der Traum vom glorreichen Sieg in Jerusalem! Hier sollte doch das Finale stattfinden. Endlich sollten alle es sehen und begreifen: Jesus würde die Welt verändern! Aber er und die anderen Freunde haben Jesus schon immer missverstanden, falsch eingeschätzt. Thomas hielt sich für einen klugen Kopf, doch manchen Gesprächen konnte er einfach nicht folgen. Jesus hatte eine andere Logik. Einmal hatte er über den Tod gesprochen, von einem Weg. Im nächsten Moment war Thomas wieder gar nicht klar, wohin der Weg überhaupt führt. Jesus sprach in Rätseln, wie konnte er das begreifen?

Jetzt war Jesus tot. Unwiderruflich! Egal, was andere da behaupteten. Thomas hat ihn doch da hängen sehen, am Kreuz, wie einen Verbrecher. Er, der so nah mit Gott verbunden war, ja, sogar von sich in Anspruch nahm, Gottes Sohn zu sein – er hing da! Schwächer als Thomas selbst. Erniedrigt und geschlagen. Ausgeliefert und geschändet. Voll Verachtung wandte Thomas sich ab. Damit hatte er abgeschlossen. Zu tief saß die Enttäuschung, wie bittere Galle auf seiner Zunge schmeckte sie. Die nackten Tatsachen sprachen Bände. Hier war nichts mehr zu holen. Es war aus! Der qualvolle Tod am Kreuz war das Ende. Thomas war gefangen in seinen Gedankengebäuden, gefesselt von der Macht der Verzweiflung.

Ein Häufchen Elend waren er und seine Freunde. Zurückgezogen hatten sie sich hinter verschlossene Türen. Es fanden sich keine Erklärungen, es gab nichts mehr zu sagen. Auch Kopfzerbrechen half nicht weiter. Blanke Angst stand in ihren Gesichtern, sobald es an der Tür klopfte. Holten die Römer jetzt auch sie? Thomas hielt es nicht mehr aus und trat ins Freie. Er konnte es nicht länger ertragen, diese drückende Stimmung, die Perspektivlosigkeit, die ihnen die Sprache verschlagen hatte. Wie konnte er nur einen klaren Kopf behalten?

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Ohnmacht

In dieser Woche beginnt die Fastenzeit, im Kirchenjahr die Passionszeit. Der lange Leidensweg Jesu, Schritt für Schritt nachgezeichnet. In der Welt herrscht Krieg. Ohnmacht ist…

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Embodied Prayer – Interview mit Eva Maria Jäger, Teil 1

In diesem Jahr (2021) ist das Buch „Spirituelles Embodiment“ herausgekommen. Es wurde verfasst von Maja Storch, Eva Maria Jäger und Stefan Klöckner. Die drei Autor:innen führen in verschiedene Zugänge zur Spiritualität ein: über den Körper mit „Embodied Prayers“ und mit dem gregorianischen Choral. Um die Embodied Prayer vorzustellen, haben wir ein Interview mit Eva Maria Jäger geführt, die sie entwickelt hat.

Eva, Du bist Mit-Autorin des Buches Spirituelles Embodiment. Wie kam es dazu? Und was machst Du, wenn Du nicht gerade Bücher schreibst? 

Ich schreibe tatsächlich auch als Privatmensch gerne Tagebuch und persönliche Texte, denn das Schreibtempo finde ich wunderbar „synchron“ zum Nachdenk-und Besinnungstempo. 

Doch was mache ich alles sonst? 

Mein beruflicher Alltag, der aus vielen Klientengesprächen in meiner Praxis für Verhaltenstherapie in München besteht, wechselt sich ab mit meiner Lehrtätigkeit an der Internationalen Hochschule in Liebenzell, an der ich den Master-Studiengang „Integrative Beratung“ mitentwickelt habe, der berufsbegleitend studiert werden kann. Das bedeutet u.a. für mich, ca. einmal pro Monat ein dreitägiges Kompakt-Modul zu unterrichten. Beides, als Therapeutin und als Professorin unterwegs zu sein, erlebe ich als ein Privileg, was nicht immer so war.

In meiner Praxis ganz offiziell Fragen stellen zu dürfen und bei jedem Menschen neu anzufangen – das empfand ich anfangs als schwierig, denn ich wünschte mir damals noch, mich routinierter und sicherer zu fühlen. Doch dass es gerade meine Nicht-Wissen ist eine offene und im besten Sinne unsichere Haltung, die hilfreich und sogar professionell ist, das sind Entdeckungen der letzten Jahre, die diesen Beruf für meine Klienten – und mich selbst immer mehr zu einer Bereicherung werden lassen. 

Und dass ich dabei Hin- und Herpendeln kann zwischen eigener Praxis und dem Unterrichten und Reflektieren von Theorien an der Hochschule ist ein zusätzliches Geschenk. 

Dann gibt es noch unsere kleine Familie, meinen Mann, Tilman und unseren Sohn Jakob, 19.

In meiner freien Zeit mache ich Musik, singe im Chor, geige mit meinem Mann oder zeichne und male kleine Projektchen und Bilderbüchlein. Ich spinne auch sehr gerne Wolle. Und ich liebe Kräutergärten und Kochfilme und entwerfe im Kopf sehr gerne Gärten und Häuser.

Was sind Embodied Prayers? 

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Mehr als

Was ist der Mensch?Dazu habe ich vor Kurzem eine Predigt gehört. Der Mensch ist wunderbar geschaffen, ein Kunstwerk, einzigartig, fähig das Leben zu gestalten, Schönes…

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